Sag mir deine E-Mail-Adresse und ich sag dir wer du bist

„Sag mir deine E-Mail-Adresse und ich sag dir wer du bist.“ Was Datenhändler alles aus einer E-Mail-Adresse ablesen können und wie man sich dagegen am besten wehrt.

E-Mail-Adressen müssen fast überall angegeben werden: z. B. auf Social Media Plattformen, in Online Shops, oder auch bei Bonuskundenkarten-Anbietern.

Nicht zuletzt aus dem Grund der ständigen Präsenz der E-Mail-Adresse ist sie die neue Handelsware. Das ruft natürlich auch viele Unternehmen hervor, die sich mit dem Handel von E-Mail-Adressen und dahinterliegenden Daten befassen.

Einer der größte Datenhändler rühmt sich damit, zu 80 % aller E-Mail-Adressen weiterführende Daten zu besitzen [1]. Darunter Daten wie Alter, Geschlecht, Name, Anschrift, aber auch Daten wie das Einkommen, Kinderzahl, Käufertypisierung wie „Schnäppchenjäger“, „Urlaubsshopper“ oder ob grade eine Schwangerschaft ansteht [2]. Anwendungsbereiche für diese Datensammlungen liefern die Datenkraken gleich mit: wenn man ein Anbieter im Bereich Wellness und Spa ist, wäre es doch schöner wenn man weiß, erstens wie der Kunde heißt, zweitens ob er / sie verheiratet ist oder welchen Geschlechtes er / sie ist, um ihn / sie direkt anzusprechen und ihr / ihm gleich den Grund für den Kauf anzubieten [3].

Die Verknüpfung von Daten darf natürlich laut Datenhändler nicht fehlen, wenn jemand ein Disneyfilm kauft, heißt das noch nicht, dass er Disneyfilme mag – vielleicht ist er Vater und kauft diesen Film für seine Tochter. Das Ausmaß, was solche Unternehmen anhand der E-Mail-Adresse von Ihnen wissen, ist vermutlich erschreckend.

Aus rechtlicher Sicht ist die werbliche Ansprache per Mail als sehr kritisch einzustufen, wenn nicht vorher explizit eingewilligt wurde. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) sieht eine unzumutbare Belästigung (§ 7 Abs. 2 Nr. 3), wenn keine ausdrückliche Einwilligung vorliegt.

Wie kann man all das eindämmen?

  1. legen Sie sich mehrere E-Mail-Adressen für verschiedene Einsatzbereiche an
  2. nutzen Sie mindestens eine „Spammail-Adresse“
  3. überlegen Sie sich doch ab und zu mal, eine kostenfreie Wegwerf-E-Mail-Adresse zu nutzen [4]
  4. geben Sie bei Anmeldungen nur die Daten an, die unbedingt für die Anmeldung verpflichtend sind
  5. stimmen Sie nur den Bedingungen zu, die für die Anmeldung erforderlich ist.
  6. Nutzen Sie Ihre Rechte aus dem Datenschutz, also der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), wie z.B. Auskunft oder Löschung

Über den Autoren:

Sven Schüldink ist Berater für Datenschutz bei der comdatis it-consulting GmbH & Co. KG.

[1] https://www.towerdata.com/email-intelligence/email-enhancement

[2] https://info.towerdata.com/hubfs/docs/TowerData%20Data%20Dictionary%202_2017%20Data%20Dictionary.pdf

[3] https://info.towerdata.com/hs-fs/hub/68599/file-439186315-pdf/docs/EmailEnhancement.pdf

[4] https://www.bing.com/search?q=wegwerf+email